Schutzinitiative  

   

Der Stadtteilführer "Be Well in Hamburg St. Georg" ist erschienen  

Zum neunten Mal
"Be Well in Hamburg St. Georg" für 2018



…ist im Stadtteil erhältlich!

   

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Dragomirs Spruch der Woche
frei nach Winston Churchill: "Etwas aufzubauen mag langsame und mühsame Arbeit von Jahren sein. Es zu zerstören kann der gedankenlose Akt eines einzigen Tages sein."

   

Ein Gespräch mit Pastor Gunnar Marwege und Kantor Ingo Müller zum Abschied vom Stadtteil. Mehr als drei Jahrzehnte waren sie auf St. Georg aktiv: Pastor Gunnar Marwege und Kantor Ingo Müller. Stadtteil-Reporterin Marina Friedt, kennt die beiden persönlich seit über 20 Jahren und führte mit ihnen zum Abschied ein Gespräch. In 1. Teil kommt Gunnar zu Wort, dem am vergangenen Sonntag zu seinem Entpflichtungsgottesdienst die höchste Auszeichnung des Stadtteils, der "Goldene Drachen" des Einwohnervereins überreicht wurde. 
Gunnar muss man in deiner Position gläubig und in der Kirche sein? 
Gunnar (lacht): "Soll ich dir was sagen? Ich reagiere immer allergisch auf so eine Frage. Wenn man sagt, es waren so und so viele "Gläubige" in der Kirche. Denn das setzt voraus, dass für einen alles klar ist, wenn man in die Kirche geht. Das ist aber so unterschiedlich. Menschen, die in die Kirche kommen,

haben unterschiedliche Glaubenseinstellungen, Glaubensfragen und stehen in so unterschiedlichen Entwicklungen in ihrer Glaubensgeschichte, dass dieses Wort "Gläubige" das völlig nivelliert und überdeckt. Natürlich habe ich mit unserer Glaubensgeschichte etwas am Hut, aber sie ist eben individuell und lässt sich nicht auf einen platten Begriff bringen. Es gibt unterschiedliche Zugänge zum Glauben und Musik ist einer, der vielen noch offen steht, wenn sie in Worten und Gedanken den Glauben für sich nicht klarkriegen können. Also nicht sagen können: Ich glaube. Ich kenne das auch aus meiner eigenen Geschichte. Im Theologie-Studium bin ich überhaupt nur in Kirchen gegangen, wenn ich dort Geige mitspielen konnte."

"Deswegen mag ich den internationalen Gottesdienst in der Erlöserkirche so gerne…"
Wegen der Gospelmusik! Ja, tatsächlich: Musik ist ein wesentlicher Zugang zum Glauben. Deshalb muss sie mindestens parallel zur Wortverkündigung oder zur Predigt stehen, vielleicht sogar darüber. 
Kannst Du Dich an Deinen Konfirmationsspruch erinnern? Ja!
Wie lautet der? Johannes, 4, 24. (lacht).
Bevor ich das nachschlagen muss, wie lautet der?
Gott ist Geist und die ihn anbeten, die müssen ihn in Geist und Wahrheit anbeten.
Okay, meiner lautet: Sei Täter des Wortes und nicht Hörer allein. Wann und wie bist Du nach St. Georg gekommen?
"Ich interessierte mich ja immer schon für Innenstadt-Gemeinden, auch für Gemeinden am Rande des sozialen Brennpunkts. Als mein Vikariat in Billstedt - das war 'ne tolle Gemeinde damals, die hat mir Kirche zum ersten Mal wirklich schmackhaft gemacht - zu Ende war, wollte ich in so einem Rahmen weitermachen und die Stelle in St. Georg war gerade zu vergeben. Leider bekam sie ein Kollege. Ich dachte, na gut, ich hatte noch eine Fortbildung in New York vor, um Krankenhausseelsorge zu lernen, und habe dann erst vertretungsweise in Wilhelmsburg gearbeitet. Nachher wurden es fünf Jahre. Und dann hörte ich von Freunden, dass der Kollege in St. Georg ein Stipendium für eine Promotion bekommen habe und weg gehen würde. Das war Ende 1986. Am nächsten Tag stand ich hier, an dieser Stelle im Kirchenbüro und sagte: Ich will hier rein!"
Wie Schröder am Zaun vom Bundeskanzleramt (lachen.) Was war das herausragendste, prägendste Erlebnis, das Dir sofort in den Sinn kommt?
"Es sind wirklich mehrere, ich kann nicht sagen, es war ein Herausragendes, wenn ich so an die Geschichte zurück denke. Wir haben uns ja viele, viele Jahre hier mit der Drogenproblematik im Stadtteil beschäftigt und mit anderen zusammen versucht, Impulse zu setzen für eine bessere Drogenpolitik. Als das tatsächlich gelungen war, als es tatsächlich einen Fixerraum gab, der auch so heißen durfte, wo erstmalig im Rahmen von Sozialarbeit und medizinischer Hilfe die Abhängigen sich ihren Schuss legal in der Einrichtung unter hygienischen Bedingungen setzen konnten, das war ein großer Erfolg."
Du meinst das Drob-Inn? "Genau. Und es hat ja bis heute den Stadtteil wirklich voran gebracht. Ein anderer riesiger Aufbruch war natürlich die Einrichtung der AIDS-Seelsorge, die mit unserer Gemeinde verzahnt wurde, wo wir gesagt haben: Komm, die AIDS-Seelsorge kann nicht in einem Krankenhaus oder ähnlichem angegliedert, sondern die muss in der Mitte einer Gemeinde angesiedelt sein. Das war ja ein unglaublicher Aufbruch für die Kirchengemeinde, wer sich da plötzlich zugehörig fühlte und dazu kam und bis heute bei uns aktiv ist. Und eben eine Öffnung zur schwul-lesbischen Community, was damals noch ein bisschen Avantgarde war - das war eine große Sache. Und dass sich inzwischen der christlich-islamische Dialog so weiter entwickelt hat und wir mit so vielen Moscheen in Verbindung stehen und nicht bloß über irgendwelche Glaubensfragen reden, sondern konkrete Sachen zusammen machen, das ist natürlich auch großartig.
Für den Dialog habt ihr damals die Hamburger Tulpe bekommen.
"Das war der Anfang 1999 die Initialzündung, aber seitdem ist es richtig weitergegangen. Und um das abzurunden: Jetzt haben wir die Zusammenarbeit mit den Afrikanern in der Erlöserkirche und den Aufbau eines afrikanischen Zentrum in Borgfelde. Zudem haben wir das Integrations- und Familienzentrum (IFZ, Schorsch) hier, wo ganz viel von all dem zusammenkommt und sich konkretisiert. Das sind so die ganz großen Highlights."
Was war für Dich die größte Enttäuschung in dem Sinne: Schade, dass ich jetzt abtrete und dass ich nicht mehr zu Ende bringen kann?
"Es gibt keine herausragende Niederlage oder Enttäuschung. Natürlich gab es Rückschläge, aber insgesamt gibt es kein Ereignis, von dem ich sagen würde: Das war jetzt ganz furchtbar."
Wie hat sich Deiner Meinung nach der Stadtteil gewandelt? Du prägtest mal den Spruch: "St. Georg hat die Nähe, aber nicht die Enge des Dorfes…"
"Klingt klug, könnte von mir sein, weiß ich jetzt nicht mehr. Die Veränderung ist nüchtern zu beschreiben: Ich hatte früher Hausbesuche gehabt oder Konfirmanden, aus der St.-Georg-Straße zum Beispiel, die waren in der vierten Generation auf Sozialhilfe. Wenn du heute Leute in der St.-Georg-Straße besuchst, dann sind das Anwälte oder Werbeleute, kreative, aktive Leute mit gutem Einkommen in Eigentumswohnungen. Das ist natürlich ein ganz anderes Flair. Was geblieben ist, ist diese unglaubliche Vielfalt des Stadtteils, die hat sich hier und da verschoben und sie ist ja auch erweitert um das Segment der wohlhabenden Leute auf St. Georg, die es früher nicht gab. Aber die Vielfalt ist geblieben und damit die bleibende Herausforderung, das Miteinander zu bewahren und für ein friedliches Miteinander zu sorgen."
Statt der kleinen Läden haben wir jetzt freitags auch einen Biomarkt.
"Ja, und man sollte auch an die Geschäfte auf dem Steindamm denken, die in der Mehrzahl von ausländischen Inhabern geleitet werden, enorm voran gekommen sind und auf einem ganz anderen Standard als vor dreißig Jahren ein gutes und tolles Einkaufen bieten."
Und was bleibt nachhaltig - auch von Deiner Arbeit?
"Ich glaube, das sind nicht einzelne Projekte. Die müssen sich ja auch ständig wandeln, aber ich könnte mir vorstellen, dass der Ansatz: offen zu sein für das, was im Stadtteil ist und was uns bewegt, neu und fremd und anders ist, dass dieser Offenheitsansatz bleibt. Ich weiß, mein Nachfolger, Ulfert Sterz, ist unbedingt so gestrickt, dass er aufnahmebereit ist für neue und unkonventionelle Gedanken. Und ich weiß, dass unsere Kollegin Elisabeth Kühn sich voll darauf eingelassen hat - und deswegen geht das weiter."
Du hast, Ulfert Sterz, schon angesprochen, was wünscht Du deinem Nachfolger?
"Ich würde ihm möglichst viele kompetente und begeisterte Mitstreiter wünschen, denn davon lebt die Arbeit und wir haben auch davon gelebt. Kay Kraack, Ingo Müller und ich, wir sind ja nicht die Alleinunterhalter hier, sondern wir haben das alles nur machen können, weil wir in der Gemeinde auf Leute gestoßen sind, die das mitgetragen und mit voran gebracht haben, die  kreative Ideen hatten und auch total zuverlässig Dinge getragen haben. Ich kann den Nachfolgern nur wünschen, dass sie weiterhin solche Menschen finden, sonst kann man das hier nicht machen. Und auch, dass sie die Kraft finden, etwas zu stoppen. Zumindest mal ein Jahr auslassen, oder es einfach mal ganz sein lassen, um Freiraum zu gewinnen, einige neue Impulse zu setzen, neue Projekte zu kreieren."
Ich Danke Dir für das Gespräch. Marina Friedt

 Bildunterschriften 
1. Pastor Gunnar Marwege und Kantor Ingo Müller im Kirchhof am 18.Februar 2018, Foto: Marina Friedt
2. Gunnar Marwege erhält den Golden Drachen von Michael Joho, dem Vorsitzenden des Einwohnervereins, Foto: Sabine Skalla
3. In der Erlöserkirche mit dem Team Gospel
4. Gunnar Marwege, immer auch zu einem Spaß bereit
5. Ökumenische Andacht
6. Christlich-islamischer Gottesdienst in der Centrum Moschee
Fotos 3.-6. Jörg Starkulla

 

 

 

 

 

   

Mit freundlicher Unterstützung von

   

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